Fotounterschriften:
von Wolfgang Dornberger:
Sorgenkinder des Vogelschutzes sind nach wie vor die Arten der Agrarlandschaft. Im Zeitraum 1998-2022 gehörte das Rebhuhn (-66 Prozent) als Flaggschiffart zu den Verlierern des landwirtschaftlich genutzten Offenlandes. Bestandsgröße in Deutschland (2017-2022) 35.000-61.000 Reviere. In Baden-Württemberg (2012-2016) 500-800 Reviere. Ein Schwerpunkt der Verbreitung liegt im Main-Tauber-Kreis.
In der aktuellen Rote Liste der Brutvögel Deutschlands ist die Art als stark gefährdet und in Baden-Württemberg als vom Aussterben bedroht eingestuft.
Der Wegfall der von der Europäischen Union verordneten Flächenstilllegung im Herbst 2007 war für die Offenlandvogelarten der „Supergau“. In kurzer Zeit ging der Anteil der Stilllegungsflächen in der Kulturlandschaft fast gegen Null.
Durch hohe Habitatansprüche vereint das Rebhuhn viele Anforderungen gefährdeter Feldvogelarten und eignet sich deshalb besonders gut als Ziel- und Schirmart für den Artenschutz in der Agrarlandschaft. Vor diesem Hintergrund wurde das bundesweite Verbundprojekt „Rebhuhn retten – Vielfalt fördern!“ (Zeitraum von 2023 bis 2029) in zehn Projektgebieten, verteilt auf acht Bundesländer projektiert. Hierzu zählt unter anderem die Bereitstellung von Brachen und Blühflächen, welche durch kooperierende Landwirtschaftsbetriebe angelegt, bzw. optimiert werden.
Kennzeichen: Kompakter, kleiner Körper und Kopf rund. 28-32 cm groß. Geschlechter fast gleich gefärbt, Männchen etwas bunter und deutlicher gemustert und mit größerem Bauchfleck (siehe Fotos). Meist sieht man Rebhühner außerhalb der Brutzeit in eng zusammenhaltenden Familienverbänden; nervös und wachsam, drückt sich bei Gefahr an den Boden oder läuft schnell fort. Dicht vor den Füßen gleichzeitig mit burrendem Flügelschlag und kurzen Gleitstrecken niedrig auffliegen und bald wieder landen. Stimme: Auffliegend scharf und kurz „prri prri prri“ oder „rich-rick-rick…“ Bei der Balz/Gesang, besonders in der Dämmerung und in der Nacht, in lockerer Folge heiser, scharf abgeschnitten „klierr-IK“.
Das Weibchen dreht, wie bei Hühnervögeln allgemein bekannt, eine Nestmulde am Boden. Die Gelegegrößen in Baden-Württemberg schwankten zwischen 7-21 Eiern. Bei großen Gelegen ist die Frage zu diskutieren, ob zwei oder mehr Weibchen zusammenlegt haben. Die mittlere Gelegegröße betrug 15,7 Eier. Die Brutdauer 24 bis 26 Tage. Als echte Nestflüchter verbleiben sie nur bis zum Trockenwerden des Gefieders im Nest. Nach etwa zwei Wochen sind die Jungen flugfähig und mit etwa fünf Wochen weitgehend selbstständig, doch verbleiben sie bis zur Revierbesetzung im Februar/März im Familienverband. Das Rebhuhn zeitigt eine Jahresbrut, bei frühen Gelegeverlusten kommt es zu Nachgelegen, die noch bis in Spätsommer auftreten können. Späte Gelege haben einen höheren Schlupferfolg (bessere Deckung, weniger Mahdverluste). Wie eine aktuelle Untersuchung im südlichen Brandenburg gezeigt hat, war in Verbindung mit einer Ortsgebundenheit (46 Tage) während der Brut, der Bruterfolg im letzten Jahrzehnt offenbar zu gering. Die Verluste im Winter fielen vergleichsweise gering aus.
Das Brutareal des Rebhuhns erstreckt sich vom Norden der Iberischen Halbinsel, von Frankreich und von den Britischen Inseln ostwärts mit einem weitgehend geschlossenen Verbreitungsgebiet bis in das südöstliche Sibirische Tiefland und in die Vorbergzone des Altai- und Sajanischen Gebirges. Die südliche Arealgrenze von Italien, Mazedonien, Kleinasien bis zur Nordzone des Schwarzen Meeres. Eingebürgert in Teilen Skandinavien, Nordamerika und Neuseelands. Das Rebhuhn ist Jahresvogel.
Das Rebhuhn bevorzugt zur Brutzeit mit Gräsern und niedrigen Kräutern bewachsene Brachen, nutzt aber auch die Ränder bestellter Äcker. Bewohnt zudem trockene, kurzgrasige Wiesen, Böschungen mit den dazugehörigen Rainen von Feldwegen. In Äckern und Grünland werden nur die ersten Meter besiedelt. Hecken und Feldgehölze mit vorgelagertem Krautsaum und Stoppelfelder werden vor allem im Winter genutzt. Zur Verpaarungszeit haben Heckenreihen als Sichtbarrieren zwischen benachbarten Paaren eine Bedeutung. Als ursprünglicher Steppenvogel bevorzugt das Rebhuhn offene Landschaften.
Um die Art vor dem Aussterben zu bewahren, ist vor allem eine strukturelle Aufwertung der Feldfluren auf großer Fläche erforderlich. Als nützlich erwiesen sich mindestens zehn Meter breite, zweigeteilte Blühstreifen (in Längsrichtung je zur Hälfte mit diesjähriger und vorjähriger Vegetation) sowie mehrjährige Brachen mit reicher Wildkrautflora, durchsetzt von spärlich bewachsen Kleinflächen. Derartige Biotope bedürfen nur einer geringen Pflege. Allein durch Selbstbegrünung wächst auf einer Schwarzbrache ein bunter Mix aus zahlreichen Wildkräutern auf. Anzustreben ist eine Mischung aus Blühstreifen und Brachen in verschiedenen Altersstadien und Pflegetypen auf unterschiedlichen Standorten. Diese Umweltleistungen der Landwirte sind gezielt (direkt) zu fördern und marktgerecht zu honorieren. Das „Greening“ hat den meisten Agrarvögeln kaum etwas gebracht, da die Verpflichtung durch den Anbau von Zwischenfrüchten (z.B. Ackersenf) erfüllt werden konnte. Die dicht aufwachsenden Bestände sind für das Rebhuhn kaum nutzbar. Hätte man nach der Ernte auf einen Umbruch verzichtet und die Stoppeln stehen gelassen, wäre ohne Kosten derselbe Schlag von großem Nutzen für viele Vögel des Agrarlandes gewesen.